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LA LA LAND

(USA, 2016, Buch und Regie: Damien Chazelle)

"La La Land" macht glücklich. Mehr muss man über den Film gar nicht wissen. Vielleicht noch, dass es ums Träumen, um den Verrat von Träumen und um die Liebe geht. Und darum, ehrlich zu sich selbst zu sein.

      Ich bin mit Filmen wie "Singing in the Rain", "Sound of Music" oder "Ein Amerikaner in Paris" aufgewachsen und später mit Baz Luhrmanns Musical-Variationen froh geworden, und so war es gar keine Frage, dass ich mir "La La Land" anschauen würde. Aber auch Menschen, die mit Musicals eigentlich nichts anfangen können, würde ich empfehlen, sich auf den Film einzulassen. Mir ist im Verlauf sogar Jazz zugänglich geworden.

      Emma Stone spielt Mia, die davon träumt, Schauspielerin zu werden, aber trotz zahlloser Vorsprechtermine dem Film nur so nah kommt, wie ihr Job in einem Coffeeshop auf dem Gelände eines großen Studios es zulässt. Emma Stone ist wie immer hinreißend, singt bezaubernd unvollkommen, ist wahnsinnig leichtfüßig auf furchtbar hohen Schuhen und rührt in mehr als einer Szene zu Tränen.

      Ryan Gosling spielt Sebastian, der davon träumt, den Jazz zu retten, und zu diesem Zweck einen eigenen Jazz-Club eröffnen möchte, sich aber erst mal mit dem Spielen von Weihnachtsliedern in Restaurants oder keytar-Einsätzen in einer 80s-Cover-Band über Wasser hält. Ryan Gosling wirkt emotional immer etwas ausgebremst und so ist es umso wunderbarer, dass er in Tanz und Gesang ausbricht. Er trägt Anzüge wie wenige andere Männer und hat für die Rolle gelernt, überzeugend Klavier zu spielen - beides vielleicht nicht gleichwertige, aber erwähnenswerte Leistungen.

      Die beiden schrammen ein paar Mal aneinander vorbei, bis sie auch anfangen, voneinander zu träumen. Während sie eine Weile gemeinsam durchs Leben tanzen, erinnern Emma Stone und Ryan Gosling manchmal an Ginger Rogers und Fred Astaire, aber am deutlichsten sind die Anlehnungen an die klassischen Gene-Kelly-Musicals. So zitiert z.B. eine stilisierte Traumsequenz am Ende nicht nur den eigenen Film, sondern auch die 'Gotta Dance'-Nummer aus "Singin' in the Rain".

      Anders als bei Baz Luhrmann nehmen die großen Gefühle hier nicht den Umweg über die ekstatische Übertreibung, sondern treffen das Publikum ganz lebensnah mitten ins Emotionszentrum, wenn auch etwas bunter und mit ein bisschen mehr Orchester als im richtigen Leben.

      Ganz nah dran ist auch die Kamera. Mal gibt es wie bei z.B. "Birdman" lange Sequenzen ohne Schnitt, in denen die Kamera losgelöst durch die Szene schwebt, mal ruht die Kamera in Großaufnahme auf den Gesichtern, um in der nächsten Einstellung entfesselt und unmittelbar am Geschehen zu sein (Kamera: Linus Sandgren). So ist "La La Land" nicht nur eine Hommage an das alte Hollywood, sondern auch absolut zeitgenössisch, und überbrückt jegliche distanzierende Künstlichkeit durch erzählerische Nähe.

      Die Lieder gehen ins Ohr (Musik: Justin Hurwitz), und während manch andere Filme nicht einmal zusammengenommen auf eine einzige einprägsame Szene kommen, hat "La La Land" gleich mehrere Momente, die sich ins visuelle Gedächtnis eingraben. Das geht los mit der Eingangssequenz auf der Autobahn, die ohne Schnitt auskommt und mir auch in der U-Bahn den nächsten Berufsverkehr aufhellen wird. Dann ist da die Steppszene auf den Hügeln von L.A., der Tanz in den Sternen, Mias entscheidendes Casting, das traumhafte Schnelldurchlauf-Ende, das tatsächliche Ende...

      Es gibt viele Sorten Happy Ends, und manchmal reicht es (oder muss es reichen), eine Zeit lang gemeinsam geträumt zu haben und als bessere Version seiner selbst in der Realität aufgewacht zu sein.

- "La La Land" ist schamlos nostalgisch, aufregend modern, hemmungslos romantisch, schmerzlich aufrichtig und herzzerreißend schön. Ich bin summend und shimmying durch den Schneeregen nach Hause gegangen.


20.1.17 13:36

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