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MOONLIGHT

(USA, 2016, Buch & Regie: Barry Jenkins)

Ein Junge wächst im Drogenkiez von Miami auf. Seine Mutter ist abhängig und lieblos, der Vater ist abwesend, die Schule ist ein feindlicher Ort, und der Junge weiß nicht recht, wo er hingehört und wie er herausfinden soll, wer er eigentlich ist. Er vermutet recht früh, dass er schwul sein könnte, aber das ist in der ihm bekannten Welt keine wirklich akzeptable Identität. Immerhin fühlt sich der lokale Chefdealer dazu berufen, dem Jungen ein Mentor zu sein, aber auch das ist natürlich eine recht schwierige Identifikationsfigur.

     Diese Geschichte hätte man recht laut und reißerisch erzählen können, stattdessen ist „Moonlight“ ein wunderbar leiser Film, der sich fernab von Klischees auf die Individualität seiner Hauptfigur einlässt. In drei Kapiteln erzählt der Film Episoden aus Chirons Leben als kleiner Junge, als Teenager und als Erwachsener. Anders als bei Richard Linklaters „Boyhood“ wird Chiron in jedem Kapitel von einem anderen Schauspieler verkörpert, was auf ganz andere Weise eindrucksvoll ist als Linklaters Langzeitstudie und zur impressionistischen Erzählweise des Films passt. Die subtil und differenziert angelegten Versionen von Chiron werden von den drei Schauspielern (Alex R. Hibbert, Ashton Sanders, Trevante Rhodes) jeweils ganz eigen beeindruckend gespielt und trotzdem stellt sich ein Gefühl von Kontinuität ein. Dabei hilft die subjektive Kamera, die kapitelübergreifend die Verlorenheit und Desorientiertheit der Hauptfigur vermittelt. Auch die Farben und die Musik sind zentral für die Erzählung, in der es nicht zuletzt um (die Überwindung von) Sprachlosigkeit geht.

     „Moonlight“ ist einfühlsam und eindringlich, ohne zum tearjerker zu werden; der Film stellt extreme Nähe her, ohne die Hauptfigur dadurch zu entblößen; er erzeugt Empathie und Mitleid, ohne die Charaktere zu bevormunden. „Moonlight“ schafft es sogar, einen ungewöhnlichen Blick auf Täter und Opfer zu werfen und dabei immer die Würde seiner Figuren zu bewahren. „Moonlight“ ist auf ruhige und zurückhaltende Weise eindrucksvoll und gibt den Zuschauern den Freiraum, sich auf den Film einzulassen.

- Ein schöner Film mit schöner Musik.

10.5.17 11:33

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