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DIE SCHÖNE UND DAS BIEST

(USA, 2017, Buch: Stephen Chbosky,

Evan Spiliotopulos, Regie: Bill Condon)

Für meine zeitlose innere Prinzessin und für die 14jährige, die damals mit dem Disney-Zeichentrickfilm geschmachtet hat, war ich in der Realfilmversion von „Die Schöne und das Biest“. Seufz. Ich habe genau das bekommen, was ich erwartet habe, und das meine ich absolut positiv. Märchenhafte Romantik, ungefilterter Kitsch, optische Opulenz, die volle Dröhnung Musical, Ballsaalszene (ganz wichtig) und „Belle rennt singend über die Hügel wie Maria in ‚Sound of Music‘“-Szene (noch wichtiger). Das ist die Freude am Vertrauten, die nicht mehr den Kick des Neuen braucht: selbst Bücher oder Filme, bei denen es eigentlich um eine Überraschung am Ende oder die Spannung des Ungewissen geht, kann man schließlich immer wieder lesen und sehen, auch wenn man sie eigentlich schon mitsprechen kann. Jedes Wieder-Sehen ist auch immer eine neue Erfahrung und genauso funktioniert „Die Schöne und das Biest“. Die Geschichte ist bekannt und der Film orientiert sich stilistisch eng an der Zeichentrickfilmvorlage, hält aber auch einige erfreuliche Neuerungen, Modernisierungen und Erweiterungen bereit.

Es gibt einige zusätzliche Lieder, man erfährt ein wenig mehr über die Hintergrundgeschichten von Belle und dem Prinzen, und die Zauberin hat eine etwas größere Rolle (gespielt von Hattie Morahan, die als Eleanor in der BBC-Verfilmung von „Sense and Sensibility“ noch den Prinzen, Dan Stevens, abschleppen durfte). Während die diversen (psychologischen) Motivationen der Charaktere den Film für Erwachsene zwar zugänglicher macht als die Zeichentrickversion, habe ich mich aber dennoch gefragt, warum die Zauberin zwar den Prinzen und seinen Hofstatt bestraft, aber nicht das ganz Dorf dafür in Kröten verwandelt, dass es Mädchen den Zugang zu Bildung verwehrt.

Belle war schon immer eine Heldin mit ein bisschen mehr Fernweh und grrrl power (braucht es angesichts eines knurrenden Monsters und einer ganzen Kleinstadt voller Hinterwäldler ja auch), und Emma Watson darf davon noch ein bisschen mehr zeigen. Außerdem darf sie großartige Roben tragen und da ist es nur sinnvoll, dass sie nebenbei die Waschmaschine erfindet. Emma Watson ist eine bezaubernde Verkörperung meiner inneren Prinzessin und singt deutlich besser als die Stimme in meinem Kopf.

Die Hautfarben der Stadtbevölkerung und des Schlosspersonals sind etwas bunter als in der gezeichneten Version und ein wenig milde Homoerotik gibt es auch – dass es um diese beiden Tatsachen tatsächlich erhitzte Diskussionen gab, ist eigentlich keinen weiteren Kommentar wert. Man muss weder hoffen noch fürchten, dass Disney wirklich Grenzen überschreitet oder gar gesellschaftliche Revolutionen lostritt, und wer mit den minimalen Konzessionen des Konzerns an bestimmte Lebensrealitäten schon ein Problem hat, muss in der wirklichen, komplett nicht-animierten Welt ein wahrlich aufregendes Leben führen.

Das Ensemble schmettert sich mit Hingabe durch jede Musical-Nummer und schmeißt sich mit Gusto in große Posen. Dass Ewan McGregor keine Gelegenheit auslässt zu singen und bescheuerte Frisuren zu tragen, ist ja hinlänglich dokumentiert, aber eine schöne Überraschung war Luke Evans‘ selbstironischer und stimmgewaltiger Gaston. Etwas weniger dankenswert ist Dan Stevens‘ Rolle, der als menschlicher Prinz ganz ernsthaft und ironisch ungebrochen in einem hellblauen Schleifchenanzug herumtanzen muss – der Rüschenstil und seelenvolle Blick steht seinem animierten Biest irgendwie besser.

Bei aller zauberhaften Schönheit geht es ja eigentlich um die Entdeckung der inneren Werte, und die Annäherung zwischen Belle und dem Biest geschieht zu keinem geringen Teil über die Liebe zu Büchern – das ist nicht der schlechteste ideologische Hintergrund für einen Kinderfilm. Hinzu kommt das leichte update in Sachen Beziehungen zwischen den Geschlechtern und Hautfarben in ihren unterschiedlichen Spielarten, und der Humor sowie die Entsorgung des Bösewichts sind kinderfreundlich – wer also meint, den Film nur in Begleitung von Alibi-Kindern sehen zu dürfen, kann das getrost tun. Ich habe ihn auch in erwachsener Begleitung mit einem verzückten Dauergrinsen gesehen. In der Originalversion macht der Film noch ein bisschen mehr Spaß.

- Füttert die Prinzessin in Euch!

26.3.17 23:28

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