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GODZILLA

(USA, 2014,

Buch: Max Borenstein u.a.,

Regie: Gareth Edwards)

Nachdem King Kong in diesem Jahr und Godzilla bereits 2014 einen relaunch bekommen haben, sollen sich die beiden angeblich in einem zukünftigen Film begegnen. Ich habe also brav noch einen Monsterfilm-DVD-Abend draufgelegt und „Godzilla“ geschaut. Bislang scheint die Verbindung zwischen den beiden die geheime multinationale Organisation ‚Monarch‘ zu sein, die sich der Erforschung von Monstern mit außergewöhnlicher Größe widmet und der Theorie nachgeht, dass die Erde Hohlräume hat, in denen vorzeitliche Tiere bis heute überlebt haben (oder so ähnlich).

     Schon der Vorspann von „Godzilla“ stellt die Geschichte in den Kontext von Evolution und Atomtests. Wie wir später, zusammen mit der Hauptfigur, erfahren, hat ein nukleares U-Boot Godzilla in den Tiefen des Ozeans aufgeweckt, und die sogenannten Atomtests in den 1950ern waren eigentlich Versuche, Godzilla umzubringen – dass er sich von Radioaktivität nährt, ist dabei nicht so praktisch. Godzilla ist nicht das einzige Urzeitmonster, das auf Atomenergie steht, und hier setzt der Film ein: 1999 wird in einer Uranmine auf den Philippinen solch ein Monster aufgeschreckt. Dabei handelt es sich um ein parasitäres Geschöpf, das ursprünglich in gemütlicher Umgebung im radioaktiven Skelett eines Godzilla in der Uranmine überwintert hat und nun auf der Suche nach einem neuen Nistplatz ist. Das ist ungünstigerweise ein japanisches Atomkraftwerk, und hier beginnt die menschliche Geschichte, die für den Spannungsverlauf so wichtig ist und bei „Kong: Skull Island“ zu sehr vernachlässigt wird.

     Bryan Cranston spielt den Ingenieur des Atomkraftwerks, der den Reaktor nicht mehr rechtzeitig abschalten kann und in der Katastrophe seine Frau (in einer sehr kurzen Rolle: Juliette Binoche) verliert. Da die ‚Monarch‘-Organisation und das Militär die Öffentlichkeit nicht in ihre Monstertheorien einweihen, wissen zu diesem Zeitpunkt weder das Publikum noch Bryan Cranston, dass es sich nicht um einen normalen Störfall handelt, und so ist es für das Publikum recht spannend, die Handlungsstränge nach und nach zu verknüpfen und für Bryan Cranstons Figur recht traumatisch, die nächsten 15 Jahre seines Lebens damit zu verbringen, die wahren Hintergrunde des GAUs zu erforschen. Dabei entfremdet er sich von seinem Sohn und so eine Vater-Sohn-Problematik ist ein bewährtes Schema für Katastrophenfilme.

     15 Jahre später also kehrt Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson), ein Bombenentschärfer beim Militär, von einem Einsatz zu Frau und Kind (auch wichtige Zutaten um das Publikum bei der Stange zu halten) nach San Francisco zurück, muss aber gleich weiter nach Japan, weil sein Vater an der alten Unglücksstelle festgenommen wurde. Das ist schlechtes timing, denn während ihres Aufenthalts schlüpft das Monster aus. Laut ‚Monarch‘ handelt es sich dabei um ein MUTO, ein Massive Unidentified Terrestrial Organism (!), und nun hat nicht nur die Menschheit, sondern auch der Film ein Problem.

     Spätestens seit „Der weiße Hai“ (1975) ist eigentlich klar, dass es der Spannung nur gut tut, das Monster so lange wie möglich nur anzudeuten und nur stückchenweise zu zeigen. „Godzilla“ hält eine halbe Stunde bis zur ersten Monstersichtung aus und dosiert auch danach die Monsterauftritte geschickt, aber keine noch so ausgefeilte Dramaturgie hilft viel, wenn das Monster einfach doof aussieht. Das MUTO wirkt wie eine Mischung aus Insekt und Maschine und dabei irgendwie lächerlich und ungelenk. Es hat die spannungsfördernde Eigenschaft, die Elektrizität im Umkreis auszuschalten, was die Bekämpfung etwas erschwert, und so ist es gut, dass auch Godzilla das Erwachen dieses urzeitlichen Feindes registriert hat und sich aufmacht zum Monsterkampf.

     Godzilla wird clever in den Film eingeführt, indem er erst nur in (wenn auch riesigen) Teilen gezeigt wird, bevor er sich zu seiner beachtlichen und perfekt animierten Größe aufrichtet. Ich fand es auch geschickt, dass der Film die Kämpfe zwischen den Monstern häufig nur indirekt zeigt, z.B. in Nachrichtensendungen, die im Fernsehen im Hintergrund laufen, oder auf Überwachungsbildschirmen. Ähnlich funktionieren die Monstersichtungen durch Ferngläser, Fallschirmspringermasken oder schlechtes Wetter. Monster-Fans mögen davon vielleicht enttäuscht sein, aber mir hat diese etwas subtilere Herangehensweise deutlich besser gefallen als die Überwältigungsstrategie von „Kong: Skull Island“.

     Aber auch bei „Godzilla“ muss dann nach einer Stunde noch ein zweites MUTO dazukommen, um das Spektakel am Laufen zu halten. Für meinen Geschmack hätte man auch einfach bei zwei Monstern bleiben und den Film in weniger Minuten erzählen können, aber gut. Nach vorbildlicher Katstrophenfilm-Manier wird vor den meisten großen Zerstörungsszenen ein kleines Kind in den Fokus geholt, damit selbst die herzlosesten Zuschauer mitbangen, und außerdem sind die Monster natürlich auf dem Weg nach San Francisco zu Fords Familie, zu denen wir schon eine emotionale Bindung aufbauen konnten – ein Element, das bei „Kong: Skull Island“ deutlich fehlt.

     Was „Godzilla“ auch besser macht als „Kong: Skull Island“ ist, dass nicht nur spektakuläre Monsteraction benutzt wird, um Spannung zu erzeugen, sondern auch etwas leisere Mittel, wie z.B. sich erst nach und nach füllende Wissenslücken bei den Hauptfiguren und dem Publikum oder die Dynamik des etwas unglücklichen Katastrophenmanagements mit Nuklearsprengköpfen. So läuft dann auch parallel zum brachialen Showdown zwischen Godzilla und den beiden MUTOs eine auf ganz klassische Weise spannende Bombenentschärfung.

     Nachdem sich Godzilla, wie auch King Kong, als Held unter den Monstern etabliert und die MUTOs zur Strecke gebracht hat, verschwindet er recht unauffällig im Wasser und da Ford sogar die Geistesgegenwart hatte, den MUTO-Nachwuchs abzufackeln, ist dieser Monsterausflug eigentlich abgeschlossen. Es könnte also interessant werden, in welchem Szenario King Kong und Godzilla aufeinandertreffen. Und im Zweifelsfall ist ja immer auf die Menschheit Verlass, dass sie die Natur ausbeutet und/oder etwas Grausiges aufschreckt und dadurch für endlosen Nachschub an guten und bösen Monstern sorgt.

20.3.17 15:48

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