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A CURE FOR WELLNESS

(USA, 2017,

Buch: Justin Haythe,

Regie: Gore Verbinski)

Wenn man sich bei einem Psychothriller gelangweilt hat, dann ist das schon das Grausigste, was an diesem Kinoabend passiert ist. „A Cure for Wellness“ schreitet ausgesprochen langsam voran und ist auch viel zu vorhersehbar dafür, dass der Film dramaturgisch auf eine große Enthüllung am Ende ausgerichtet ist. Immerhin eröffnet die letzte Einstellung die Möglichkeit für ein zweideutiges Ende wie es sich im Phantastischen gehört, aber da ist es dann auch schon zu spät.

      Kurz die Geschichte: ein Wall-Street-Angestellter (Dane DeHaan) muss in ein Sanatorium reisen, um den dort kurenden Unternehmenschef zurück zur Arbeit zu bringen. Die Klinik liegt in den Schweizer Alpen, die natürlich eine wunderbare Postkarten-Kulisse mit einem Hauch von Unheimlichkeit bieten, und ist außerdem in einem alten Schloss mit tragischer Vorgeschichte untergebracht. Das klinische Jahrhundertwende-Dekor tut sein Übriges, um eine Atmosphäre der Verfremdung und Verstörung zu erzeugen, und außerdem geistert ja auch noch eine ätherische, bzw. etwas tranige, Patientin (Mia Goth) übers Gelände. Dass selten jemand aus dieser entrückten Welt in die Realität des 21. Jahrhunderts zurückkehrt, kann man sich denken.

      Für Grusel und Grauen wird mit beiden Händen in die Freudsche Trickkiste gegriffen (ausfallende Zähne! Aale! Masturbation! Kindheitstrauma! Menstruation!), bei jeder sich bietenden Gelegenheit gibt es bedeutungsschwangere Spiegelungen (in Wasserflächen, in toten Tieraugen...) und auch narrativ wird fleißig gespiegelt, angedeutet, entfremdet und verunsichert. Die Spiegelungen sorgen wenigstens visuell für schöne Momente, und überhaupt hat „A Cure for Wellness“ einige elegant komponierte Szenen. Allerdings ist das vielleicht auch eins der Probleme des Films: er berauscht sich ausgiebig an den eigenen Ideen und ist dann so in die Länge gezogen, dass das Publikum viel zu viel Zeit hat, die unheilvollen Vorandeutungen zusammenzufügen und über Unwahrscheinlichkeiten in der Geschichte nachzudenken. Bei Psychothrillern, vor allem bei welchen die mit dem Genre des Phantastischen spielen, ist ein bisschen mehr Publikumsüberwältigung schon praktisch.

      Abgesehen von den diversen Referenzen an die klassische Psychoanalyse und einem Schwelgen in Kristevas Konzept des Abjekten, bedient sich der Film recht wild bei diversen popkulturellen Gruselquellen (der Bösewicht, gespielt von Jason Isaacs, erinnert ein wenig an Dracula, die Patienten ein wenig an Zombies) und als bildungsbürgerliche Anspielung wird dann auch noch „Der Zauberberg“ gelesen. So eignet sich „A Cure for Wellness“ bestimmt für eine Unmenge an kulturwissenschaftlichen Interpretationen, aber auch wenn der Film einige gelungene Szenen hat, ist er als Ganzes doch ziemlicher Quark. Wer allerdings nach „Die Blechtrommel“ noch nicht genug von Aalen und nach „Der Marathon-Mann“ nicht genug von Zahnärzten hatte, kann sich hier sicherlich ein paar Albträume holen.

- Sinistere Version von „Willkommen in Wellville“. Eher nerv-tötend als -kitzelnd.


27.2.17 17:55

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