Brown paper packages tied up with strings

these are a few of my favourite things
 

Letztes Feedback

Meta





 

DIE HÖLLE - INFERNO

(Österreich/Deutschland, 2016,

Buch: Martin Ambrosch,

Regie: Stefan Ruzowitzky)

Wenn der Vorspann eines Films eine Gemeinschaftsproduktion des ORF und ZDF ankündigt, beschleicht mich immer leise Panik, dass der folgende Film in Fernseh-Optik über die große Leinwand laufen wird – was ich im Kino genauso störend finde wie den Telenovela-Look von HD-Produktionen. Der etwas tautologisch betitelte Film „Die Hölle – Inferno“ gibt in dieser Hinsicht allerdings keinen Grund zur Sorge: Wien ist auf Kinoniveau glanzvoll versifft, die Verfolgungsjagden sind wild und die Stunts sind beeindruckend.

     Ein Frauenmörder geht um in Wien. Erfrischenderweise operiert die Polizei hier anscheinend nicht mit high-tech Spurensicherung und psychologischem Profiling – das bleibt den zahllosen Fernsehserien aus Amerika überlassen. Andererseits fängt man so halt nur schwerlich einen international operierenden, religiös motivierten Serienkiller, und so bedarf es der Unterstützung durch eine Heldin.

     Diese Heldin muss natürlich maximal verkorkst sein, sonst wäre sie nicht für den Großteil des Films komplett auf sich allein gestellt und der Film wäre wesentlich weniger spannend. Also hat sie damit zu kämpfen, dass sie entweder als Frau oder als Türkin ohnehin immer Außenseiterin ist, dass ihr Temperament manchmal mit ihr durchgeht und dass ihre soziale Kompetenz und ihr Vertrauen in andere Menschen beschränkt sind, wofür es Gründe genug gibt. Sie hat eine traumatische Kindheit hinter sich und keinen Rückhalt in ihrer Familie, sie hat kaum Freunde (bzw. die werden dann auch noch umgebracht) und ihren Ex hat sie offensichtlich gründlich verprellt. Violetta Schurawlow spielt die Taxifahrerin Özge wortkarg, stark, schön und mit beeindruckenden Augenringen und trägt den Film so gut wie allein.

     Der Mörder meint, dass er in Özge eine Augenzeugin seiner letzten brutalen Tat zu beseitigen hat. Das ist ein böser Fehler, denn erstens kann sie ihn zu diesem Zeitpunkt gar nicht identifizieren, zweitens legt er sich da wirklich mit der Falschen an und drittens macht er die Angelegenheit für sie persönlich. Egal wie viel sie einstecken muss: Özge ist nicht von ihrer Mission abzubringen, den Mörder zur Strecke zu bringen, und wie Bruce Willis in „Die Hard“ nimmt sie dabei weder aufs Gesetz, noch auf Kollateralschäden, noch auf die eigene Gesundheit Rücksicht.

     Zum Glück für den Spannungsverlauf ist die Polizei zunächst gleichgültig bis unfähig, bzw. erkältet, und außerdem rassistisch voreingenommen und daher gibt es keinen Zeugenschutz für Özge. Außerdem muss sie sich bei all dem Schlamassel auch noch um ein Kleinkind kümmern, und so sind alle dramaturgischen Weichen gestellt für einen atemraubenden, Fingernägel schädigenden Thriller.

     Bevor die Geschichte in einem doch etwas arg unprofessionellen Polizeieinsatz und einem rasanten Showdown zwischen Özge und dem Mörder kulminiert, verengt sie sich spannungsfördernd erst mal auf einen Schauplatz: die düstere Wohnung des Kommissars (Tobias Moretti). Dort treffen wir den demenzkranken Vater des Kommissars (Friedrich von Thun) und seinen Schäferhund (!), und dort gerät die Geschichte romantisch auch ein wenig aus den Gleisen, dort ergeben sich aber auch klassische Möglichkeiten für weiteren Nervenkitzel, wenn der vermeintliche Zufluchtsort zur Falle wird.

     Tempo und Spannung des Films sowie Sympathie für die Heldin reichen zwar nicht immer komplett aus, um die suspension of disbelief (also das willentliche Aussetzen oder Vertagen des Unglaubens in die Fiktion) aufrecht zu erhalten, sorgen insgesamt aber doch für sehr gute Unterhaltung fernab von amerikanischer oder skandinavischer Thriller-Routine.


- Ein professionell-solider, aber auch erfrischender Thriller mit grimmigem Humor und ziemlich viel Blut; auch für im österreichischen Zungenschlag Unerfahrene gut zu verstehen.



27.2.17 17:51

Letzte Einträge: GODZILLA, MANCHESTER BY THE SEA / VERBORGENE SCHÖNHEIT, DIE SCHÖNE UND DAS BIEST, LIFE, POWER RANGERS, MOONLIGHT

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen